Null-Risiko-Verzerrung

Menschen neigen dazu eine Null-Risiko Strategie zu verfolgen, egal wie gering das Risiko vorher wahr. Die Null-Risiko-Verzerrung ist eine Tendenz jegliches Risiko zu eliminieren, auch dann, wenn bei Alternativen eine höhere Reduktion des Risikos machbar wäre. Dieser Wunsch nach Null-Risiko wurde in einer Vielzahl von Studien mit hypothetischen Ausgangssituationen nachgewiesen.

Es ist anscheint vollkommen natürlich, dass Menschen das Risiko scheuen. Es ist wohl ein teil unserer Überlebensstrategie und unseres Instinkts. Daher entscheiden wir uns manchmal wider jeder Vernunft, wenn wir durch Aussagen und Werbebotschaften manipuliert werden, um dem Null-Risiko-Wunsch nachgehen zu können.

Studien zum Thema Null-Risiko-Verzerrung

Hier eine Auswahl von Beispielen, die die Null-Risiko-Verzerrung aufzeigen:
Möglichkeit 1: Sie erhalten von mir einen 100 Euro Schein und ich werfe dann eine Münze. Bleibt die Münze mit der Zahl nach oben liegen, geben Sie mir den Geldschein wieder zurück, ansonsten können Sie den Geldschein behalten.
Möglichkeit 2: Ich werfe eine Münze. Wenn diese mit der Zahl nach unten liegen bleibt, erhalten Sie 100 Euro von mir.
Welche der beiden Varianten würden Sie wählen?

Die meisten Menschen entscheiden sich für die zweite Möglichkeit, obwohl sie bei beiden Möglichkeiten die gleiche Chance haben, mit 100 Euro nach Hause zu gehen. Die Chance ist 50:50. Bei Möglichkeit 1 haben die meisten Menschen jedoch das Gefühl etwas verlieren zu können, bei Möglichkeit 2 etwas gewinnen zu können – mit Null Risiko.

Werden Menschen nach Reduzierung des Risikos befragt kommen merkwürdige Entscheidungen zustande. Angenommen man könnte mit einem bestimmten Betrag das Risiko den Komplettverlust bei einer Geldanlage von 5% auf 0% reduzieren oder für das gleiche Geld bei einer anderen Anlage das Verlustrisiko von 50% auf 25% herabsetzten. Die meisten Menschen würden die Herabsetzung auf 0% favorisieren, obwohl die Reduzierung von 50% auf 25% viel sinnvoller wäre. Grundlage für diese Entscheidung ist auch hier die Null-Risiko-Verzerrung.

Wissenschaftler führten mit Konsumenten eine Studie durch. Die Forscher fragten, ob die Konsumenten einen Reiniger kaufen würden, zeigten die Flasche des Reinigers und wiesen die Konsumenten auch auf die Risiken des Reinigers hin.
Es bestünde die Gefahr, dass sich 15 von 1000 Verbrauchern an den Gasen des Reinigers vergiften könnten und weitere 15 bekämen im Schnitt den Reiniger in die Augen und verletzten sich dabei. Die interessante Frage war nun, wieviel Geld die Kunden mehr für einen Reiniger investieren würden, bei dem das Verletzungsrisiko auf jeweils 10 Personen reduziert wäre. Kunden würden für diese erste Reduzierung 65 Cent ausgeben, für eine weitere Reduzierung der Verletzungsgefahr auf jeweils 5 Personen nur noch 19 Cent, aber, und das ist das erstaunliche, 83 Cent, wenn auch noch das letzte Risiko einer Verletzung oder Vergiftung ausgeschlossen wäre, also für die Reduzierung von jeweils 5 auf 0.

Null-Risiko-Verzerrung und die Werbung

Auf der Null-Risiko-Verzerrung basieren natürlich ganze Werbestrategien. Konsumenten neigen viel mehr zu einer »Null-Risiko« Varianten als zu Produkten mit geringem Risiko, aber höherer Rendite oder Qualität.

Das Ergebnis ist, wenn etwas mit »Null-Risiko« angeboten wird, neigen wir dazu uns angesprochen zu fühlen, ungeachtet, ob das »Null-Risiko« teuer ist oder nicht, denn am Schluss muss auch dieses »Null-Risiko« von jemanden bezahlt werden.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Die Null-Risiko-Verzerrung unterstützt das gedankliche Abhaken einer Sache. Man muss sich nicht weiter damit beschäftigen und kann die Gedankenkapazität anderweitig einsetzten. Dies ist bequem, denn Nachdenken bindet Zeit und Energie.

Textname: Null-Risiko-Verzerrung – Zero-risk bias .