Empty Nest Syndrom

Empty Nest Syndrome (ENS)

Das besonders unter dem englischsprachigen Namen Empty Nest Syndrome (Leeres Nest Syndrom) bekannte Phänomen bezeichnet das Empfinden von einem oder beiden Elternteilen, nachdem die Kinder aus dem Haus ausgezogen sind. Das Nest ist leer. Wo vorher noch Chaos herrschte ist nun nichts als Stille. Es ist eine laute Stille, die danach schreit wieder mit den Widerworten der Kinder und mit den ewigen Diskussionen und Geschrei gefüllt zu werden. Und doch ist klar, es wird nie wieder so sein, wie es einmal war.

Eltern wissen, dass die Kinder eines Tages ausziehen, bereiten die Sprösslinge so gut wie es geht auf das Leben vor und vergessen sich dabei meist selbst. Kommt dann der Tag an dem das letzte Kind auszieht, beginnt für die Eltern ein neuer Lebensabschnitt. Denn der zentrale Lebensinhalt, die Erziehung des Nachwuchses, auf den man sich die letzten 20 Jahre konzentriert hat, fällt plötzlich, unerwartet jedoch so vorhersehbar und schmerzvoll weg.

Die meisten Eltern müssen nun lernen sich mit sich selbst zu beschäftigen. Dieser Lebensabschnitt ist eine ebenso große Herausforderung für das Paar, wie das Heiraten und das Großziehen der Kinder. Der Unterschied ist, dass der Eintritt in den neuen Abschnitt schmerzhafter sein kann. Manchmal ähnelt die persönliche Empfindung, nach dem Auszug der Kinder, dem Tod eines nahestehenden Verwandten.

Recht auf Selbständigkeit

Eltern, die ihre Kinder lieben, man soll es kaum glauben, aber es gibt auch eine andere Variante, sollten sich darüber klar sein, dass eines Tages der Tag des Auszuges kommen wird. Die Wohnung wird dann stiller, leerer und aufgeräumter sein. Ein Verdrängen oder Verleugnen des Gedankens ist grundlegend falsch.

Auch sollten die Kinder, aus eigenen egoistischen Gründen, nicht in ein Abhängigkeitsverhältnis von den Eltern hinein erzogen werden. Kinder haben das Recht selbständig zu werden. Und dies so früh wie möglich, damit sie die Herausforderungen des Lebens meistern können. Werden sie hingegen gehätschelt und verwöhnt, dürfen sie sich keinen Problemen stellen und wird ihnen alles abgenommen, erziehen wir keine Kinder sondern unselbständige, abhängige und depressive Menschen.

Empty Nest Syndrome als Chance

Sind die Kinder einmal aus dem Haus, so birgt dies zwar der Gefahr der Langeweile, doch wenn die Eltern frühzeitig gelernt haben sich mit anderen Themen zu beschäftigen, so kann es auch befreiend sein, endlich die Dinge machen zu können, die man schon jahrelang vorhatte. Endlich auf die Reise mit einem Luxus-Schiff gehen zu können, die mit den Kindern während der Hauptsaison nicht finanzierbar gewesen wäre, endlich mal nicht mehr an sich übervollen Stränden während der Ferien sonnen müssen, sondern außerhalb der Hochsaison das Meer genießen, endlich einmal Ruhe Bücher lesen zu können, die man schon ewig lesen wollte, aber nie Zeit hatte, endlich auf die VHS gehen zu können und endlich mal keine drei Waschmaschinen täglich waschen zu müssen.

Sprechen Sie mit Ihrem Partner

Kommunikation der Eltern untereinander über das Empty Nest Syndrome ist wichtig, damit die Partner die emotionale Situation des anderen nach dem Auszug verstehen können. So kann es sein, dass ein Elternteil froh ist, wenn die Tochter oder der Sohn ausgezogen ist, damit endlich ein Zimmer für eine Hobelbank zur Verfügung steht, während der andere Teil leidet wie ein Hund und das Zimmer am liebsten nicht verändern möchte.

Bewerten Sie die Gefühle Ihres Partners nicht,

sondern akzeptieren Sie sie,

auch wenn die Gefühle für Sie nicht nachvollziehbar sind

Suchen Sie sich ein Hobby

Beginnen sollte man frühzeitig, einige Jahre vor dem Auszug, sich ein Hobby zu suchen, Freundschaften aufzubauen und sozial integriert sein. Durch die Ablenkung mit anderen Dingen, Hobbys und Gesprächen kommen wir meist leichter über den gefühlten Verlust weg. Außerdem sitzen die Elternteile dann nicht den ganzen Tag aufeinander.

Achtung: Die Scheidungsraten steigen exorbitant an

Die Kinder ziehen immer später aus, da die wirtschaftliche Lage  und die lange Ausbildung dies erfordert. Im Schnitt, so liest man, liegt das Auszugsalter zwischen 26 – 30 Jahren. Die Eltern gehören dann zur Gruppe der Ü50. Bei einer Lebenserwartung von 77,9 Jahren für Männer und bei 82,9 für Frauen (Wikipedia) bleiben also noch um die 30 Jahre(!) die mit Spaß und Freude und Interessen zu füllen sind. Aufeinanderhocken und Griesgrämigkeit sind weniger gut dazu geeignet.

Wollen Sie leiden?

Sind wir alleine zu Hause und haben einen Partner, dann sind wir schon in einer glücklichen Lage, denn, wie sagt der Volksmund, geteiltes Leid ist halbes Leid. Bei jeden Blick in das nun leere Zimmer kommen immer wieder die Emotionen der Trennung auf, der Schmerz und die Trauer. Verändern Sie das ehemalige Kinderzimmer. Renovieren Sie es. Entfernen Sie die Poster der alten Idole von den Wänden und gestalten Sie das Zimmer um. Machen Sie sich klar, dass das Zimmer nie wieder ein Kinderzimmer sein wird, denn in der Regel kommen die Kinder nicht wieder ins Nest zurück. Und wenn, dann findet sich schon eine Lösung.

Akzeptieren Sie die Selbständigkeit der Kinder

Wenn die Kinder oder das Kind in der eigenen ersten Wohnung sitzen, und wenn es nur ein kleines Zimmer in einer WG ist, es ist das neue erste Heim – auf das jeder von uns auch stolz war! Und das ist zu akzeptieren. Alle wohlgemeinten Ratschläge in Hinblick auf das Aufräumen, der Sauberkeit und des Essens sind von den Eltern tunlichst zu unterlassen, da unerwünscht.

Gute-Nacht- und Ist-alles-in-Ordnung-Anrufe stören den neuen Erwachsenen in seiner Souveränität als eigenständiger Mensch. Jedenfalls glauben das die Kinder, dass sie das sind. Lassen Sie los, rufen sich nicht immer an. Laden Sie die oder das Kind nicht immer wieder ein. Setzen Sie niemanden unter Druck, auch sich nicht, denn sonst erreichen Sie nur das Gegenteil, die flügge Gewordenen melden sich sonst nicht mehr oder seltener. Denn eins können die Kinder nicht verstehen, die Gefühle der Eltern. Und mal ehrlich, konnten wir es?

Für immer alleine

Je früher die Eltern lernen die neuen Erwachsenen als gleichberechtigte, wenn auch nicht als gleicherfahrene, Familienmitglieder anzunehmen, desto öfter kommen die Kinder wieder zu Besuch nach Hause, desto öfter rufen sie an. Und dann kommt die Zeit, wenn vielleicht schreiende Enkelkinder das alte Nest wieder mit Leben füllen und brüllend durch die Gänge rennen und die Eltern von ihren lieb gewonnen Hobbys abhält.

Denken Sie daran, wie es bei Ihnen war, als Sie auszogen

Wir vergessen oftmals, dass wir auch jung waren!

 

Kontakt:
Ulrich Eckardt
Heilpraktiker für Psychotherapie
Hypnosis-Praxis München

Tel.: 089 / 416 122 46
https://www.hypnosis-praxis.de

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