Stockholm-Syndrom

Verliebt in den Täter

Das Stockholm-Syndrom beschreibt das psychologische Phänomen, dass Opfer mit Tätern kooperieren, Sympathie für sie entwickeln oder sich gar in sie verlieben.

Den Namen „Stockholm-Syndrom“, was kein Syndrom ist, rührt von einer Geiselnahme in der Bank „Kreditbanken“, einer Bank in Stockholm. Dabei wurden vier Geisel fünf Tage lang von Geiselnehmern gefangen gehalten. Nach der Befreiung der Geiseln waren diese den Geiselnehmern gegenüber dankbar – auch hätten die ehemaligen Geiseln während der Gefangenschaft mehr Angst vor der Polizei also vor den Geiselnehmern gehabt.

Der Aufbau dieses positiven emotionalen Verhältnisses kann darin begründet sein, dass die Opfer natürlich die Gesamtsituation und die weitere Entwicklung  bei einer Entführung nicht mitbekommen, wohl aber eine gewisse Passivität seitens der Sicherheitsbehörden empfinden. Das Handeln der Geiselnehmer hingegen wird höher bewertet, als es wirklich ist. So werden Erleichterungen während der Gefangennahme, als positiv bewertet. Diese positiv empfundenen Emotionen lassen  Täter in einem realitätsfremden Licht erscheinen.

Eine weitere Erklärung kann auch sein, dass beide, Täter als auch Opfer sich in einer, wenn auch entgegengesetzten Situation, intensive Ängste empfinden. Diese sind natürlich für einen Menschen, der die gleichen Ängste empfindet, viel besser nachzuvollziehen, als von der Polizei.

Auch ist der Verlust der eigenen Kontrolle und der Freiheit und für die meisten Menschen nur schwer zu akzeptieren. Um dieses Stresssituation überstehen zu können, nehmen sich Opfer als Teil des Systems wahr und beginnen sich mit den Zielen, den Motiven oder den Täter zu identifizieren. Somit sind sie nicht mehr ausgelieferte Opfer, sondern, wenn auch nicht wirklich, Teil der handelnden Seite. Sie begeben sich in einer Illusion.

Das Stockholm-Syndrom ist nicht nur bei Entführungen, sondern auch in anderen Bereichen des Lebens zu erkennen. Die Bewertung der oder des Peinigers durch Opfer, weicht meist extrem von der eines objektiven Betrachters ab. Als Beispiele sind Gewalt in der Ehe, Gewalt im Elternhaus, aber auch sich als Mensch der sich gegenüber seinem Land, ausgeliefert und hilflos fühlt.

Bekommt er dann Vergünstigungen, wie Zuwendungen in Form von finanzieller Unterstützung oder erkennt er, dass die Regierung gegen Randgruppen vorgeht, er sich also wieder als Teil der Gemeinschaft fühlt, ist ein Mensch fähig extreme Stresssituationen seitens Krimineller oder auch von Parteien oder Regierungen hinzunehmen ohne diese zu hinterfragen.

Textname: Stockholm-Syndrom

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