Psychosomatische Auswirkung von Glaubenssätzen

Was ist Glauben?

„Das größte Übel, das den Menschen befallen kann ist,
dass er schlecht über sich selbst denkt“
(J.W. von Goethe)

Unter Glauben versteht man zumeist eine Wahrscheinlichkeitsvermutung. Glauben in diesem Sinne bedeutet, dass ein Sachverhalt hypothetisch für wahr gehalten wird […] Andererseits unterscheidet sich Glauben von Wissen, das als wahre und gerechtfertigte Meinung verstanden werden kann[1].

Die Inhalte und die Bedeutung von Glaubenssätzen und Glauben unterliegen gesellschaftlich gesehen, einem permanenten Wandel und wurden oftmals, besonders während der Christianisierung Europas, mit neuen Etiketten versehen. So glaubt man in der christlichen Welt, dass z.B. das Weihnachtsfest die Geburt Jesu kennzeichnet. Ursprünglich basiert es jedoch auf dem römischen Fest, welches die Wintersonnenwende kennzeichnete und 274 n. Chr. durch Kaiser Aurelian eingeführt worden war.

Glauben unterscheidet sich von Wissen dadurch, das Glauben eine Annahme ist, Wissen jedoch (wissenschaftlich) belegt werden kann.

Beispiel: „Ich gehe in den Supermarkt im Glauben, dass dort Butter zum Verkauf angeboten wird“.
„Wenn ich im Supermarkt bin, weiß ich, ob Butter zum Verkauf angeboten wird“.

Unterstützende Glaubenssätze

Diese Art von Glaubenssätzen kann helfen sich im Alltag zurechtzufinden und das Leben zu meistern. Sie können unterstützend einen Rahmen für eigenverantwortliches Verhalten zur Verfügung stellen.

Positive Glaubenssätze können auch aus positiven Erfahrungen heraus entstehen. Menschen gehen arbeiten, da sie daran glauben, am Ende des Monats eine finanzielle Entschädigung für die gegebene Arbeitskraft und Zeit zu erhalten. Die durch Erfahrung entstanden Glaubenssätze können jedoch schnell auch in destruktive übergehen, sie können von neuen, negative Erfahrungen getilgt oder entsprechend verändert werden.

Destruktive Glaubenssätze

Persönliche Konflikte können durch sich widersprechende Glaubenssätze bzw. Identitätskonflikte entstehen, die sich u.U. in körperlichen Symptomen niederschlagen können. Der Körper wird zur Bühne der eigenen Einstellungen, die sich in Glaubenssätzen manifestiert haben. Das Resultat ist eine Krankheit, die in der Symbolsprache des Körpers ausgedrückt wird. Die Symptomsprache wird von nahezu allen Menschen gesprochen, auch wenn sie sich darüber nicht bewusst sind. Der Körper, oder genauer, sein Zustand, gibt also reichlich Aufschluss über die Einstellungen und Glaubenssätzen. Der Körper ist ehrlich, er verheimlicht nichts und setzt alles der psychosomatischen Ausdrucksweise entsprechend sofort um.[2]

Psychosomatische Auswirkung von Glaubenssätzen

  • ‚Ich habe so einen Druck auf der Arbeit’ (Hypertonie I10.0, Hämorrhoiden K64)
  • ‚Es brennt mir unter der Haut’ (Atopisches Ekzem L.20)
  • ‚Ich kann es nicht mehr hören’ (Tinnitus aurium H93.1)
  • ‚Ich kann nicht loslassen’ (Asthma bronchiale J45)
  • ‚Es liegt mir schwer im Magen’ (Magengeschwür K25)
  • ‚Ich erlebe nur schlechte Dinge’ (Diabetes mellitus E10)
  • ‚Es belastet mich’, ‚Es liegt mir auf den Schultern’ (Bandscheibenschäden F50, F51)
  • ‚Ich mag da nicht mehr hingehen’ (funktionellen Körperstörungen –  endogene Psychosen)
  • ‚Ich kann keine Rede halten’ (Zittern, Herzrasen, Schwitzen, Atemnot – Soziale Phobie F40.1)
  • etc.

Die Komorbidität mit depressiven (affektiven) Störungen (F30-F39) oder Angststörungen (F40, F41) ist häufig.

Durch negative Gedanken wird das Immunsystem geschwächt . In der Psyche ist wohl auch eine Landkarte der Organe vorhanden. Mit negativen Suggestionen werden diese direkt angesprochen und Krankheiten können entstehen.

Es ist zu erkennen, dass die verknüpften körperlichen Symptome Aufschluss über die Lebenseinstellungen und auf die psychische Belastung Auskunft geben, ohne dass die Betroffenen dies wissen.

Glaubensätze können heilen – der Placebo-Effekt

Seit H.K. Beechers Placeboklassiker The Powerful Placebo aus dem Jahre 1955 gilt allgemein. dass 35% der Patienten bei verschiedensten Erkrankungen allein mit Placebos zufriedenstellend therapiert werden könnten. Bei neuen Studien wurde sogar festgestellt, dass 50% bis 100% der Wirkung[3] eines Medikamentes auf der inneren Einstellung des Klienten beruht, also auf dem Glaubenssatz, ein wirksames Medikament erhalten zu haben.

Apotheker Émile Coué (1857-1926) bemerkte schon früh, dass sich der Therapieerfolg nicht durch ein Medikament, sondern alleine durch den Glauben an dessen Wirkung einstellte. Der Apotheker galt vielen Menschen als Wunderheiler.
Er betonte jedoch immer wieder: “Ich habe nie jemanden geheilt. Die Kraft, die Sie mir zuschreiben, müssen Sie bei sich selbst suchen!
Coué gehört wohl zu den ersten, der die psychosomatische Auswirkung von Glaubenssätzen erkannt hat.

Krankheitsgewinn

Der Krankheitsgewinn ist ein Nutzen, den ein Betroffener von einer Krankheit hat bzw. der Krankheitsgewinn kann auch durch einen Glaubenssatz unbewusst hervorgerufen werden. So kann eine Gangstörung (Störungen des Ganges und der Mobilität R26) orthopädische und neurologische Ursachen haben, sie kann jedoch auch auf eine psychische Störung zurückgehen. In der Psychiatrie werden diese unter den dissoziativen Störungen subsumiert und machen bei den Bewegungsstörungen zu 25% in neurologischen Abteilungen aus. Die Komorbidität mit anderen psychiatrischen Erkrankungen ist beträchtlich: 38 % Angststörung, 19 % Major Depression, 12% Angst und Depression[4].

Arbeit mit Glaubenssätzen mit NLP-Modellen

Glaubenssätze sind individuell herausgebildete Verallgemeinerungen über die Beziehung zwischen Erfahrungen, die einer logischen Argumentation gegenüber nicht offen für Veränderung sind. Sie orientieren sich an der subjektiven individuell-selektiven Wahrnehmung von Erfahrung, ihre Bewertung und Integration in Beziehungssysteme. Sie machen sich bemerkbar, wenn geplante Veränderungen überraschenderweise nicht funktionieren. Dann können einschränkende Glaubenssätze für dieses Problem verantwortlich sein. NLP bietet verschiedene Modelle an, wie mit Glaubenssätzen erfolgreich gearbeitet werden kann und neue Glaubenssätze entwickelt werden können[5].

Arbeit mit Glaubenssätzen mit Hypnose

Hypnotherapie kann ein Weg sein, destruktive Glaubenssätze, welche in der Vergangenheit installiert werden über die „Back-To-Reason“-Methode aufzulösen (Regressionstherapie). Hierbei ist es wichtig, das im Vorgespräch der Kernglaubenssatz herausgearbeitet wird.

Unter einem Kernglaubenssatz versteht man den Glaubenssatz, auf dem alle anderen abgeleiteten Glaubenssatzmöleküle im Klienten beruhen. Lautet das Problem „Ich kann keine Rede halten“, so kann der Kernglaubenssatz, von dem dieser abgeleitet wird, auch „Ich bekomme nichts hin“ lauten. Dieser hat sich im Laufe der Zeit auf viele Lebensbereiche ausgeweitet und ist chronifiziert.

Alles was wir uns vorstellen, passiert genauso, wie wir es uns vorstellen.
(Ulrich Eckardt)

Nachweise:

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Glauben
[2] Dr. Rüdiger Dahlke (Krankheit als Symbol)
[3] ZDF-Lesches Kosmos 05.06.2012
[4] Feinstein A, Stergiopoulos V, Fine J, Lang AE. Psychiatric outcome in patients with a psychogenic movement disorder: a prospective study. Neuropsychiatry Neuropsychol Behav Neurol 2001;14(3):169-76.
[5]Traumazentierte Psychotherapie, Volker Dittmar, Universität Regensburg, 2009

Textname: Psychosomatische Auswirkung von Glaubenssätzen.

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