Angst

Mit Ängsten leben

Ängste ist eine sinnvolle Einrichtung der Natur. Menschen werden mit verschieden, sinnvollen Ängsten geboren. Viele andere Ängste hingegen sind erlernt und anerzogen. Sie basieren nicht auf Wissen, sondern vielmehr auf Annahmen und Erfahrung, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind. Wissen hingegen ist allgemeingültig und nachprüfbar. Ängste sind dies nicht.

Das Wort Angst leitet sich aus dem althochdeutschen Wort „angust“ bzw. dem lateinischen Wort „angustus“ ab, welches „eng“ oder „schmal“ bedeutet. Diese Enge fühlen Menschen oftmals im Bereich der Brust. Das Atmen wird erschwert und die, für die Angst typischen Symptome, wie Herzrasen, Schweißausbruch und Zittern, stellen sich ein.

Kommen Ängste auf, ist es schwer die Emotionen unter Kontrolle zu halten, auch wenn Betroffene offensichtlich wissen, dass bestimmte Ängste sinnlos bzw. ihre gefühlte Stärke unangebracht ist. Der Grund hierfür sind Stresshormone, wie das Adrenalin. Unter dem Einfluss dieser Stresshormone fällt es schwer einen klaren Gedanken zu fassen und Wissen, welches in normalen Situation abgerufen werden kann, ist plötzlich unzugänglich. Stattdessen wird der „Fight or Flight“ – Instinkt im Menschen aktiviert. Unter dem Einfluss dieses Instinkts stehen, wie der Name des Instinktes schon sagt, nur die Möglichkeiten des Kämpfens oder der Flucht zur Verfügung.

In der Psychotherapie wird mittels Konfrontationstherapie und anderen Maßnahmen versucht, die Auswirkungen der Angst sukzessive damit zu reduzieren, in dem man sich den angstauslösenden Situationen immer wieder stellt. Gelernt werden soll dabei, dass die zu erwartende Angst unbegründet ist, da die negativen Vorstellungen nicht eintreten. Dies kann, muss jedoch nicht funktionieren. Der Grund ist, dass das auslösende Moment, der Trigger der Angst, immer eine Ursache in der Biographie der Betroffenen hat. Wird dieses Empfinden nicht verändert, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit den Alltag von Angstpatienten weiter mitgestalten.

Der Ausgangspunkt vieler Ängste besteht also darin, dass Emotionen, die in einer bestimmten, möglicherweise bedrohlichen Situation, in der Vergangenheit gefühlt wurden, bis zum heutigen Tage wirken, auch wenn offensichtlich ist, dass die auslösende Situation oder die Umstände aus der Sicht eines Erwachsenen, nicht dramatisch waren. Eine nachträgliche Beurteilung eines oder mehrerer Ereignisse weicht von der emotionalen Bewertung in der Vergangenheit deshalb ab, da die Umstände (Alter, Erfahrung, Erkenntnisse, Wissensstand, Umfeld, usw.) nicht mehr die gleichen sind und gar nicht sein können. Trotz dieser Erkenntnis gelingt es meist nicht, über das bewusste Denken Ängste und Gefühle zu beeinflussen oder gar zu kontrollieren. Betroffene können nur auf einen Trigger oder Gedanken reagieren, ohne die Möglichkeit zu haben den Ängsten effektiv etwas entgegensetzen zu können.

Angststörungen mit Hypnose auflösen

Die Hypnotherapie bietet verschiedene Methoden, die bei einer Auflösung der Ursache einer Angst wirkungsvoll sein können. Hierzu zählen u.a. die Fast-Phobie-Cure, welche auch aus dem NLP (neurolingusitisches Programmieren) bekannt ist, die Regression, die „Arbeit mit dem inneren Kind“ und das Stärken von Ressourcen (Mentaltraining). Diese Methoden werden in einem Trancezustand durchgeführt. In diesem ist der s.g. Kritische Faktor reduziert und Suggestionen können besser aufgenommen und vom Unterbewusstsein verarbeitet werden. Bei der „Arbeit mit dem inneren Kind“ wird der Klient in der Vorstellung in die Vergangenheit zurückversetzt, zu dem Zeitpunkt an dem das Gefühl der Angst zum ersten Mal auftrat. Mit dem Wissen und den Erfahrungen des Erwachsenen wird das „Kind“ unterstützt. Durch diesen „Ressourcentransfer“ in die Vergangenheit, besteht die Möglichkeit, dass eine auslösende Situation als weniger dramatisch und schlimm empfunden wird. Durch diese Neueinschätzung wird ganz natürlich die Emotion, die sich hinter der Angst verbirgt, neu bewertet, was zu einer Reduzierung oder einer Auflösung der Angst führen kann.

Selbsthilfe bei Ängsten

Angstpatienten kennen die gut gemeinten Hilfestellungen und Tipps ihrer Mitmenschen und ihrer Therapeuten. Diese Tipps können lauten „Denk doch nicht an die Angst“ oder „Lass es nicht an Dich herankommen„. Hinterfragt man als Betroffener jedoch, wie das genaue Vorgehen bei diesen Hilfestellung ist, bekommt man wenig hilfreiche Antworten. Nicht an etwas zu denken, geht nicht. Sobald wir etwas nicht denken möchten, ist es schon zu spät. Kommt ein Gedanke auf, können wir nur noch reagieren. Wird gegen die Angst oder einen Gedanken gearbeitet, verstärkt sich dieser im gleichen Maße, wie die Kraft, die man gegen ihn einsetzt.

Es gibt jedoch zwei Möglichkeiten aus dieser ausweglosen Situation zu entkommen. Werden diese über einen Zeitraum von wenigstens vier Wochen geübt, kann man lernen mit unangenehmen Gefühlen und Gedanken umzugehen.
Zunächst einmal ist es wichtig sich zu erlauben Ängste und negative Emotionen zu empfinden und ihre Existenz zu akzeptieren. Wird dagegen gearbeitet, werden die Gefühle nur stärker. Dieses Vorgehen macht daher wenig Sinn.

In der Vergangenheit

Wer Ängste hat weiß, dass er diese hat, oder glaubt es wenigstens zu wissen. Formulierungen wie „Ich habe Angst vor dem Fliegen“ und ähnliche Affirmationen dienen der destruktiven Selbstmanipulation. Die Formulierungen finden stets im Präsens, also der Gegenwartsform, statt, auch wenn der Betroffene sich gar nicht in der angstauslösenden Situation befindet. Durch diese Suggestion wird der Glaubenssatz gestärkt vor oder in einer Situation Angst zu empfinden, obwohl dies nicht sein muss, jedoch aus der eigenen subjektiven Erfahrung heraus, angenommen wird.
Die Realität, sofern sie existiert, weicht jedoch von dieser Vorstellung ab. Denn ob eine Angst in einer bestimmten Situation auftreten wird ist nicht vorhersehbar. Man glaubt es nur. Dieser Glauben hat jedoch nichts mit Wissen zu tun. Wissen hingegen ist reproduzierbar und allgemeingültig – Ängste sind individuell und werden unterschiedlich wahrgenommen. Sie basieren auf Erfahrungen in der Vergangenheit, sie sind erlernt. Daher kann es erleichternd sein, wenn Angstpatienten die negativen Eigensuggestionen umformulieren. Statt „Ich habe Angst vor dem Fliegen“ könnte die Affirmation auch „Ich hatte in der Vergangenheit Angst vor dem Fliegen“ lauten. Durch diese kleine, aber effektive Änderung des Glaubenssatzes, reduziert sich das negative Empfinden.
Probieren Sie es selbst aus und sprechen Sie Ihre Befürchtungen oder Ängste einmal im Präsens laut aus: „ich habe Angst vor …„, „ich kann das nicht ...“ um dann die umformulierte Variante „ich hatte in der Vergangenheit Angst vor ….“ bzw. „ich konnte das in der Vergangenheit nicht ….“ zu sagen. Was fühlt sich besser an?

Macht das Sinn?

Kommen Gedanken oder Empfindungen auf, sind Menschen meist zum Handeln gezwungen. Man kann nur reagieren, auch wenn der Gedanke oder das Gefühl nicht erwünscht sind. Dieses Verhalten ist besonders bei Ängsten oder Befürchtungen stark ausgeprägt. Es gibt keine Möglichkeit der Kontrolle. Es wäre hilfreich, könnte man sich entscheiden, ob ein Gefühl sinnvoll ist, damit man selbst wieder agieren kann. Sind Menschen in der Aktion, können sie selbst wählen, welchen Weg sie gehen.
Mit einer einfachen, aber effektiven Frage kann man eine Distanz zum Gefühl oder zum Gedanken gewinnen und damit die Kontrolle wiedererlangen. Sie lautet „Macht das Sinn?„. Macht es Sinn sich darüber aufzuregen, dass der Bus zu spät kommt, dass man im Stau steckt, dass jemand uns den Parkplatz „weggenommen“ hat? Durch die eigene Aufregung wird sich die Situation nicht ändern. Wenn wir dies wissen, benötigen wir die Aufregung nicht. Sie ist eine sinnlose Vergeudung von Ressourcen und kann Stress und auf lange Sicht Krankheiten verursachen.

Wird diese einfache Methode über einen Zeitraum von vier Wochen in „einfachen“ Situationen trainiert, kann man sie zum Hinterfragen der Sinnhaftigkeit bei Ängsten oder anderen starken Emotionen effektiv einsetzten.

Erlauben Sie sich an Ängste zu haben, hinterfragen Sie jedoch, ob sie Sinn machen, denn wenn eine Angst keinen Sinn macht, wird sie nicht benötigt.

 

Bildnachweis: RainerSturm  / pixelio.de

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