Ein Paradoxon (Plural Paradoxa; auch Paradox oder Paradoxie, Plural Paradoxe bzw. Paradoxien; vom altgriechischen Adjektiv παράδοξος parádoxos „wider Erwarten, wider die gewöhnliche Meinung, unerwartet, unglaublich“) ist ein unerwarteter Widerspruch in einer Aussage.

Barbier-Paradoxon

Bertrand Russell formulierte 1918 folgendes Paradoxon: In einem Dorf lebt ein Barbier, der all diejenigen rasiert, und nur diejenigen, die sich selbst nicht rasieren.

Die Frage, die sich nun stellt ist, wer rasiert den Barbier. Rasiert er sich etwa selbst? Die Antwort auf die Frage liefert widersprüchliche Antworten. Rasiert sich der Barbier selbst, gehört er zur Teilmenge der Männer die er nicht rasiert, denn er rasiert nur die, die sich selbst nicht rasieren. Im umgekehrten Fall, er rasiert sich also nicht selbst, gehört er zu denen, die er rasiert, entgegen der Annahme.

Das Wesen der Philosophie ist es, mit etwas zu beginnen, was so einfach ist, dass es gar nicht erwähnenswert scheint, und mit etwas zu enden, das so paradox ist, dass es niemand glauben wird.
Bertrand Russell

Rabenparadox

Rabenparadox oder Hempels Paradox ist ein nach dem Philosophen Carl Gustav Hempel benanntes Problem der Erkenntnistheorie. „Alle Raben, die ich gesehen habe sind schwarz, daraus schließe ich, dass alle Raben schwarz sind.“ – „Weil alle Teller, die ich eben in den Schrank geräumt habe weiß sind, schließe ich daraus, dass alle Teller weiß sind – und da Teller weiß sind, schließe ich daraus, dass alle Raben schwarz sind“ – Dies klingt natürlich merkwürdig, aber wenn es nicht merkwürdig klingen würde, wäre es auch kein Paradoxon.

Abilene-Paradoxon

Manchmal kommt es vor, als würden Entscheidungen auf einem gemeinsamen Konsens basieren. Entdeckt wurde das Abilene-Paradoxon von  Jerry Harvey, Professor an der George Washington Universität, im Jahre 1974. Er machte mit seiner Familie eine Reise in seine Heimatstadt Abilene. Angetreten wurde die Reise, weil ein Mitglied der Familie die Reise vorschlug. Die anderen Familienmitglieder stimmten dem Vorhaben in der Annahme zu, alle anderen Familienmitglieder wollten ebenfalls die Reise antreten. Nach der Heimkehr stellte sich jedoch heraus, dass die ganze Familie lieber zu Hause geblieben wäre.

Macht-Paradoxon

Gib einem Menschen Macht, und du erkennst seinen wahren Charakter – wer kennt diesen Spruch nicht? Macht kann den Charakter eines Menschen verändern. Im Spielfilm „Die Welle“ verändern sich die Teilnehmer des Experimentes in einem nicht vorhergesehenen Maße. Sie wurden grausam, rachsüchtig, despotisch und rücksichtslos. Das Paradoxe der Macht: Wenn man sympathisch ist, kann man mächtig werden. Ist man mächtig, wird man unsympathisch.

Paradoxon der Prokrastination

Die die Strategie der Prokrastination, also das Aufschieben unangenehmer Aufgaben, wird von vielen Menschen verfolgt, um es sich leichter zu machen. Doch genau das Gegenteil wird mit der Strategie erreicht. Denn je mehr aufgeschoben wird, desto mehr Aufgaben bleiben unerledigt und ziehen ggf. sogar noch mehr Arbeit nach sich.

Paradoxon der unerwarteten Hinrichtung (Henkerparadoxon)

Einem zum Tode verurteiltem Menschen wird im Schuldspruch erklärt, dass er im Laufe der Woche um die Mittagszeit hingerichtet wird. Es wird kein genauer Tag für die Hinrichtung genannt, um ihn in banger Erwartungshaltung zu belassen. Der Hinrichtungszeitpunkt soll unerwartet für den Verurteilten sein. Der Verurteilte macht sich jedoch über den Tag seiner Hinrichtung, den er nicht kennt, Gedanken.

Wenn ich am vorletzten Tag am Mittag noch lebe, dann kann ich am letzten Tag nicht hingerichtet werden, denn dann wäre der Tag der Hinrichtung vorhersehbar, also nicht unerwartet.
Bin ich am vorletzten Tag am Mittag noch am Leben, kann auch der vorletzte Tag als Tag der Hinrichtung ausgeschlossen werden und da der letzte Tag auch schon ausgeschlossen wurde, kann ich die letzten beiden Tage als Tage für die Hinrichtung ausschließenusw. Es gibt also keinen unvorhergesehenen Tag an dem ich hingerichtet werde, was bedeutet, ich werde nicht hingerichtet.

Diese These sorgte dafür, dass der Gefangene völlig überrascht war, als er eines Tages zum Henker geführt wurde.

Großvaterparadoxon

Wenn Zeitreisen zum Paradoxon werden. Wenn ein Mensch in die Vergangenheit reisen könnte und dort den eigenen Großvater umbringen würde und zwar vor der Zeugung des eigenen Vaters, so wäre natürlich die Geburt des Zeitreisenden verhindert worden, er hätte nie die Zeitreise unternehmen können, um die Zeugung des eigenen Vaters zu verhindern. Denn ohne den eigenen Vater, wäre er selbst nicht gezeugt worden.

Psychologische Paradoxien

Wer in einer Beziehung lebt, kennt dieses Paradoxon vermutlich: „Es wäre schön, wenn Du ab und zu mal spontan sagen würdest, dass Du mich liebst„- Die Aufforderung einmal ausgesprochen erlaubt gar keine Spontanität mehr, auch wenn der Partner nach Tagen oder Wochen wirklich spontan sagt: „Ich liebe Dich“ – „Das sagst Du nur, weil ich Dich damals dazu aufgefordert habe!

Bildnachweis: Claudia Meyer @ freeimages.com

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