Sich miteinander austauschen ist billiger als eine Scheidung – Fremdgehen

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  • Tektonische Platten - Partnschaft

Wenn tektonische Platten sich bewegen

Bei vielen Therapiesitzungen, die wegen Probleme am Arbeitsplatz anberaumt wurden, stellt sich schnell heraus, dass die Ursache nicht der Job, sondern vielmehr die Paarbeziehung ist. Dies muss nicht immer so sein und es klingt vielleicht zunächst unglaubwürdig.

Beziehung als Fluchtursache

Sind zu Hause Stress, Ärger und Gängelei an der Tagesordnung geht man sich gerne aus dem Weg, leistet Überstunden, halst sich mehr und mehr Arbeit auf, um aus der heimischen Situation zu flüchten. Die erhöhte Arbeits- und Leistungsbereitschaft und die Angst vor dem vergifteten Klima zu Hause, führen zu Stress, der sich negativ auf die Gesundheit und die Psyche auswirkt.

Zu Hause lebt man zwar mit dem Partner oder der Partnerin unter einem Dach, doch nachdem die Liebe sich verflüchtigte, ähnelt die Beziehung einer WG, deren zentrale Themen die Erziehung der Kinder und die finanzielle Vorsorge sein können. Sie hat mit den einstigen „Schmetterlingen im Bauch“ nicht mehr viel zu tun. Mann und Frau kennen sich, wissen welche Schalter sie drücken müssen, um den anderen emotional zu stressen, wissen wie der andere reagiert und was er sagen wird.

Sex, sofern er überhaupt noch stattfindet, wird zu Pflichterfüllung, statt wie früher zum emotionalen Feuerwerk. Da menschliche Bedürfnisse dennoch vorhanden sind, stehen Tür und Tor sperrangelweit für eine Affäre offen. Dies gilt für Männer und Frauen. Männer fühlen sich nicht verstanden, Frauen nicht mehr begehrenswert und geliebt.

Durch die Flucht in die Arbeit oder in zeitraubende Hobbys, die man natürlich gerne mit anderen, statt mit dem eigenen Partner teilt, beginnt man sich auseinander zu leben und unterschiedliche Interessen zu verfolgen. Ernsthafte Kommunikation, neben der notwendigen, kann zu Hause nicht mehr stattfinden, da sich jeder mehr und mehr abschottet und vom anderen zurückzieht.

Eine Chance für die Partnerschaft

Ist noch kein Rosenkrieg ausgebrochen, ist noch ein Funke an Liebe und Verständnis für den anderen da, besteht die Möglichkeit das eingefahrene Nebeneinaner-daher-leben wieder auf Trab zu bringen. Der Schlüssel kann Kommunikation sein – nach festen Regeln. Gespräche zwischen den Partnern funktionieren jedoch nur, wenn beide Partner bereit sind sich zu ändern, auf den anderen einzugehen, Kompromisse zu schließen und nicht auf der Erfüllung des eigenen Standpunktes zu beharren. Erinnern Sie sich noch, wie Ihre Beziehung begann? Sie waren kompromissbereit, einfühlsam und haben Eigenheiten Ihres Partners vielleicht nicht akzeptiert, aber toleriert. Dies bedeutet, dass Sie die Grundvoraussetzungen mitbringen!

Die Zeit der Vorwürfe

Du hast damals…„, „Ich werde nie vergessen, dass Du….“ – Vorwürfe aus der Vergangenheit können ein Hemmschuh für das Neubeleben der Partnerschaft sein. Jeder von uns hat in der Vergangenheit Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die bei einem neutralen Betrachter nur ein ungläubiges Kopfschütteln auslösen würden. Natürlich wiegen eigene Verletzungen schwerer, als die, die man dem Partner beigebracht hat, denn dessen Gefühle kann man nicht fühlen. Es beginnt die Zeit des Aufrechnens der Verfehlungen. Wie in der Buchführung gibt es eine Soll- und Habenspalte, um dann Bilanz zu ziehen. Das Interessante ist, dass die Beteiligten die Bilanz immer nach dem eigenen Ermessen fälschen.

Gründe für Gespräche

Der Kampf um die Vorherrschaft zu Hause

Der eine Partner verdient mehr Geld, also hat er mehr zu sagen. Der andere stemmt unentgeltlich den Haushalt, somit ist zu Hause sein Reich. Diese, und viele andere ähnliche Scheinargumente, fördern das Gegeneinander statt das Miteinander. Ohne des Geldes des einen, könnte der Haushalt nicht geworfen werden. Ohne einen ordentlichen Haushalt hätte der Hauptverdiener aber nicht den Rücken frei. In einer solchen Situation kennt man meist schon die Argumente der „Gegenseite“. Die Lage ist verfahren, ein Gespräch wird sinnlos, die Kommunikation schläft ein und jeder begibt sich in sein Schicksal. Es gilt hier einen gemeinsamen Weg zu finden.

Wenn Sie nur funktionieren statt zu leben

Haben Sie sich in Ihr Schicksal begeben, Ihre Rolle angenommen, entfernen Sie sich von sich und dem Partner. Diesem die gefühlte Rolle aufzuzeigen, kann hilfreich sein.

Wichtige Themen bedingen eine Entscheidung

Hierzu zählen ein Umzug, Urlaubspläne, finanzielle Entscheidungen und natürlich die Erziehung der Kinder, sofern vorhanden.

Konflikte offen Ansprechen

Werden konfliktbeladene Themen ausgespart, driftet die Beziehung, wie die Kontinentalplatten der Erde, mehr und mehr auseinander. Nicht mit Höchstgeschwindigkeit, aber stetig. Treffen die beiden Platten dann irgendwann wieder aufeinander, entstehen unwillkürlich Erdbeben und Verwerfungen die selten zu kitten sind.

Zu viele Pflichten, zu wenig Leben

Nehmen Beruf, Kindeserziehung und Haushalt zu viel Zeit ein, nehmen also die Pflichten überhand, schläft die Beziehung ein und man entwickelt sich zu einer Wirtschaftsgemeinschaft. Erkennt man außerhalb der Partnerschaft, unterstützt durch eine dritte Person, dass das Leben noch mehr zu bieten hat, wird es kritisch. Verpflichtungen sind sinnvoll, sollten jedoch nicht das Leben bestimmen. Leben bedeutet auf Freude, Lebensqualität – was immer Sie darunter verstehen.

Wenn Sex langweilig wird

Inspiriert von Internetangeboten können in Mann und Frau neue Bedürfnisse aufkommen, die das Sexleben vielleicht attraktiver und abwechslungsreicher machen. Doch wie soll man dem Partner erklären, dass man plötzlich Lack und Leder und Sextoys interessant findet, ohne als pervers zu gelten? So wie es Ihnen geht, geht es vermutlich auch Ihrem Pendant. Daher sprechen Sie die Themen an, denn sonst wird die Befriedigung der Wünsche womöglich von jemand anderen durchgeführt.

Voraussetzungen Gespräche mit dem Partner

Wichtige Gespräche in der Partnerschaft sollten ein paar einfachen Regeln folgen. Werden diese nicht eingehalten, wird es schwierig. Daher muss die Bereitschaft vorhanden sein, diese auch einzuhalten. Versuchen Sie es nicht – tun Sie es.

Alte Verhaltensmuster verwerfen

Nur weil man etwas schon immer so gemacht hat, heißt es nicht, dass es richtig war. Weil man dies oder jenes nicht macht, bedeutet das nicht, dass es immer so bleiben muss. Nur weil die Gesellschaft heute dies oder jenes vorgibt, kann man nicht davon ausgehen, dass sich die Gesellschaft nicht auch ändern kann. Sie sind ein Teil der Gesellschaft. Eine gewisse Flexibilität, die Aufweichung alter Verhaltensmuster und Moralvorstellungen bietet die Möglichkeit das eigene Leben zu leben und das enge Korsett von Vorgaben abzulegen.

Regeln für Gespräche mit dem Partner

Zunächst einmal müssen beide Partner an einer Verbesserung der aktuellen Situation bereit sein, sich ehrlich einbringen, Engagement zeigen und versuchen sich in die Position des anderen hineinversetzten zu können und zu wollen. Interpartnerschaftliche Gespräche benötigen Zeit, sie müssen erlernt und dann auch gelebt werden.

Regelmäßigkeit

Jeden Abend ein solches Gespräch zu führen ist ebenso widersinnig, wie ein halbes Jahr dazwischen verstreichen zu lassen. Reservieren Sie sich einmal pro Woche eine Stunde für sich und Ihren Partner. Denken Sie daran: mit Ihrem Lebensgefährten oder Ihrer Lebensgefährtin leben Sie vielleicht die nächsten 30 oder 40 Jahre noch zusammen. In der Arbeitswelt sind Teammeetings zum Austausch zwischen Mitarbeitern und zur Definition von Zielen normal. Warum nicht in Ihrer Beziehung?

Wo soll ein solches Gespräch stattfinden?

Natürlich nicht im Restaurant, in einem Cafè oder beim Spazierengehen. Es ist ein Mythos, dass Gespräche auf „neutralen Boden“ ergebnisreicher sind als zu Hause. Möchten Sie sich über Ihre neu entdeckten sexuellen Vorlieben bei einem Kaffee und Kuchen unterhalten, während die Bedienung herumläuft und Tischnachbarn interessiert die Ohren spitzen? Beim Spaziergang trifft man andere Menschen. Man bleibt stehen, grüßt sich freundlich und unterhält sich über die Hunde, den Garten und das Wetter. Der Gesprächsfaden mit dem Partner geht verloren. Der aufgebrachte Mut ein Thema anzusprechen muss immer und immer wieder wegen der Unterbrechungen aufgebracht werden.
Führen Sie Gespräche mit Ihrem Partner zu Hause. Stellen Sie Mobiltelefone aus, schalten Sie den Fernseher ab, fahren Sie den Laptop herunter und unterbrechen Sie jeder Aufgabe, die Ihre volle Aufmerksamkeit benötigt.

Schweigen und zuhören

Spricht Ihr Partner, haben Sie seine Aussagen nicht zu kommentieren oder zu hinterfragen. Er, oder sie, redet sich das von der Seele, was ihn / sie bedrückt, was ihn / sie beschäftigt. Ich weiß, es ist nicht immer einfach, denn Aussagen anderer werten wir manchmal unwillkürlich als Angriff auf die eigene Person. Trainieren Sie es. Bleiben Sie ruhig, denn das Ziel eines Dialoges ist es ein Ergebnis zu erreichen! Wird das Gespräch offen und ehrlich geführt, lernen Sie vielleicht neue Facetten Ihres Partners kennen. Nach 10 Minuten wechseln Sie die Rollen. Gehen Sie dabei nicht auf das Gesagte ein, sondern machen Sie sich Gedanken über die Worte Ihres Partners in der kommenden Woche. Worte wirken. Manchmal schneller, manchmal weniger schnell.

Ich-Form oder Du-Form

Haben Sie einen gemeinsamen Termin gefunden, bereiten Sie sich einzeln auf diesen vor. Erstellen Sie eine List von Themen, die Sie ansprechen möchten. Formulieren Sie Ihre Aussagen in der „Ich-Form“ nicht in der „Du-Form“. „Ich fühle mich alleine, wenn ich nicht mehr Aufmerksamkeit erhalte“ klingt bedeutend besser als „Du ignorierst mich immer„.

Keine Vorwürfe, keine Schuldzuweisungen

Eine vergangene Verletzung aufzubringen ist kein Ziel. Statt „Du hast mich damals mit Deinem Weglaufen verletzt“ wäre es besser die Aussage so zu formulieren „Ich fühle mich unsicher und wünsche mir mehr Stabilität.

Themenfreiheit

Beide Gesprächspartner haben das Recht über jedes Thema zu sprechen. Es gibt keine Vorgaben. Ein Thema kann in Ihren Augen belanglos sein, aber es geht nicht darum, Ihre Wünsche zu befriedigen, sondern dem anderen die Möglichkeit zu geben, sich mitzuteilen – sich etwas von der Seele zu reden.

Keine Diskussion über das Gespräch im Nachhinein

Nach dem Gespräch unterhalten Sie sich nicht über das Gesagte, sondern machen vielleicht einen Spaziergang oder besorgen Lebensmittel im Supermarkt. Wie oben schon erwähnt, wirken Worte. Lassen Sie das Gesagte auf sich wirken. Erkennen Sie die eigenen Defizite und Möglichkeiten sich zu verbessern. Er oder sie hat Ihnen einen Spiegel vorgehalten. Natürlich ist es nicht immer schön auf Fehlverhalten aufmerksam gemacht zu werden, welches wir gerne mit der kognitiven Dissonanz versuchen zu beschönigen.

Probleme vor oder während des Gespräches

Ach, was soll ein Gespräch bringen?“ – Wird diese Aussage getroffen, können Sie sich umdrehen und Ihren Frust freien Lauf lassen, Sie können auch den Partner fragen „Möchtest Du so weitermachen wie bisher?“ „Es mag sein, dass das Gespräch nichts bringt, aber ein Versuch kann helfen die Partnerschaft zu verbessern. Was bestärkt Dich in der Meinung?“ Stellen Sie Fragen und vermeiden Sie alle „W-Fragen“ (Warum, wieso und weshalb). Wenn jemand nicht sprechen möchte, hilft ein Gespräch.

Keinen gemeinsamer Termin

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ist kein Wille vorhanden, wird es problematisch. Termine können immer vereinbart werden. In der Arbeitswelt, für medizinischen Untersuchungen, usw. Termine dienen eine Verbesserung einer Situation zu erreichen, ein Ziel zu definieren oder ein Übel zu erkennen und auszumerzen.

Zuhören fällt schwer

Wenn Sie nicht zuhören können, so liegt das weniger am Können, sondern vielmehr am Wollen. Haben Sie in dieser Beziehung ein Defizit, arbeiten Sie an diesem. Würden Sie mit einem Vorgesetzten genauso umspringen, wie mit Ihrem Partner? Sehen Sie, es geht doch.

Körpersprache

Sprechen wir mit einem anderen Menschen, erzeugen unsere Worte Emotionen, Sätze werden bewertet. Unwillkürlich reagiert der Körper mit einer veränderten Körpersprache. Wie der Name schon sagt, sprechen wir mit dem Körper. Arme werden verschränkt, Augenbrauen werden nach oben gezogen, ein hämisches Lächeln wird aufgesetzt, es wird tief und schwer ein- und ausgeatmet. Dies kann zur Verunsicherung des Sprechers beitragen. Wenn Sie oder Ihr Partner sich von der Körpersprache unangenehm angesprochen fühlen, setzten Sie sich mit dem Rücken zueinander.

Tektonische Platten

Auseinanderleben, Entfremdung und Fremdgehen

Wie tektonische Platten bewegen wir uns bei einer Entfremdung langsam voneinander weg. Dies geschieht nicht von heute auf morgen, es ist ein langsamer Prozess. Die Distanz wird größer, Liebe, gegenseitiges Begehren, Zuneigung und Sex reduzieren sich, lösen sich vielleicht sogar auf. Dies kann zum Fremdgehen animieren. Plötzlich tritt jemand in das Leben, bei dem all das vorhanden ist, was sich zu Hause auf ein Minimum reduziert hat. Längst vergessene und schon lange nicht mehr gelebte Emotionen kommen wieder hoch und das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuneigung wird wieder befriedigt. Fremdgehen ist keine spontane Entscheidung, es ist eine Entwicklung, bei der das Gefühl der Verbundenheit und Liebe zu einer anderen Person den Höhepunkt darstellen.

Auf Signale achten

In einer stabilen, funktionierenden Beziehung finden Gedanken an das Fremdgehen keinen Nährboden. Trocknet dieser Boden jedoch langsam aus, wird er nicht mehr bestellt, liegt er brach und versandet er, kann man dagegen etwas tun, wenn man es will. Warten Sie nicht darauf, dass sich Ihr Partner für Sie ändert. Das wird nicht passieren. Nur wenn Sie sich ändern, ändert sich Ihr Partner.

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Bildnachweis: peter vries @ freeimages.com

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2016-11-23T09:25:35+00:00 Kategorien: Allgemein, Coaching, Paarberatung|0 Kommentare

Über den Autor:

Staatlich geprüfter Heilpraktiker, begrenzt auf das Gebiet der Psychotherapie, NLP-Practitioner (DVNLP), NLP-Master (DVNLP), bietet in seiner Hypnose-Praxis in München, die klassische Hypnose, Tiefenentspannung, Coaching und andere Therapieverfahren an. Themenbereiche der Hypnose sind z.B. Raucherentwöhnung mit Hypnose (Nichtraucher mit Hypnose), Gewichtsreduzierung, Behandlung von Ängsten, Behandlung psychosomatischer Krankheiten, Rückführung (Regressionstherapie), EMDR, EFT. (Hypnose in München)

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