Warum hört mir niemand zu – ein Kommunikationsproblem

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Niemand hört Ihnen zu, weil Sie auch nicht zuhören!

Es ist immer das gleiche Kommunikationsproblem: „Niemand hört mir wirklich zu“. Warum ist das so? Die Antwort ist recht einfach: „Sie hören nicht richtig zu! Vielleicht hören Sie hin, mehr aber auch nicht. Und wenn Sie nicht richtig zuhören, warum sollte es jemand bei Ihnen tun?“

Dabei kann es recht einfach sein ein Gespräch zu führen, im Business, im Smalltalk, wenn man weiß, wie ein Gespräch gesteuert werden kann und welchem Zweck ein Gespräch überhaupt dient.

Jeder Mensch hat seine eigene Landkarte

Bei einem Gespräch, bei dem wenigstens zwei Menschen beteiligt sind, treffen auch wenigstens zwei unterschiedliche Lebensbiographien, verschiedene Wertevorstellung, andere Glaubenssätze, andere Interessen usw. aufeinander. Jedes gesprochene Wort wird mit der eigenen Landkarte der Welt verglichen und bewertet. Da jeder Mensch eine eigene Landkarte der Welt besitzt und diese nie deckungsgleich sein können, die Bedeutung also immer unterschiedlich ist, wird eine Aussage anders bewertet, als sie vermutlich gemeint wahr.

Wertschätzung

Angenommen, Sie kaufen ein neues Auto. Sie hatten vorher vielleicht zwei Jahre auf das Auto gespart. Jeder Cent wurde auf die Seite gelegt, Sie hatten Entbehrungen auf sich genommen, Urlaube wurden gestrichen, nur um den Traumwagen bezahlen zu können – vermutlich wird es nicht wirklich der Traumwagen sein, denn der würde das Budget noch mehr belasten, aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zum Sparen. Nachdem Sie Ihr Konto leergeräumt und das Auto abgeholt haben, waren Sie vermutlich einer der glücklichsten Menschen der Welt. Voller Glückshormone treffen Sie einen Freund oder einer Freundin, um Ihr neues Gefährt zu präsentieren. Wenn Sie viel Glück haben, zeigt sich Ihr Gesprächspartner interessiert an dem für Sie so emotionalen Thema. Er wird jedoch nie die Emotionen nachvollziehen können, die Sie mit dem Auto verbinden.

Wenn Ihnen jemand ein neues Auto präsentiert schätzen Sie die Anschaffung wert, auch wenn Sie das Auto noch so unpraktisch und hässlich finden. Sie beleidigen mit einer auch noch so berechtigten Kritik nicht nur den neuen Besitzer, sondern auch seine mit dem Kauf verbundenen Anstrengungen. Wenn es etwas, Ihrer Meinung nach, am neuen Auto auszusetzen gibt, sparen Sie sich die Worte für einen anderen Zeitpunkt auf.

Ist Ihr eigenes Fahrzeug teurer, schneller und schicker, respektieren Sie, dass vielleicht nicht jeder über Ihr Budget verfügt.

Aussprechen lassen

Einer der größten Kommunikationsfehler ist den anderen nicht aussprechen zu lassen, sondern sofort die eigene Meinung zu einer getätigten Aussage loswerden zu wollen. Vielleicht möchte Ihr Gesprächspartner sich „etwas von der Seele reden“, ohne unterbrochen zu werden oder einen Hinweis zu bekommen. Hat Ihr Gesprächspartner seinen Satz beendet, können Sie sich äußern.

Beim Thema bleiben

Wer hört Ihnen zu, wenn Sie von Ihrem letzten Urlaub berichten? Niemand. Wen interessiert das Thema? Niemanden. Man kann weder von Kollegen, Freunden oder Familienmitgliedern erwarten die gleichen Emotionen zu empfinden, wie Sie. Dies ist unmöglich, denn Sie waren am Urlaubsort zu einer bestimmten Zeit! Doch statt zuzuhören, versuchen Gesprächspartner ihre eigenen Erlebnisse in ein Gespräch einfließen zu lassen:

A: „Wir waren in New York im Hotel XY und wollten …. „
B: „… da waren wir nicht. Das war uns zu zu weit vom Central Park entfernt. Wir waren im AB, das ist ein 5 Sternehotel. Später haben wir noch eine Stadtrundfahrt gemacht.“
A: „Wir haben eine Rundfahrt mit einem Bus ….“
B: „Mit einem Bus? Wir haben für einen Tag ein Taxi gemietet. Das ist viel individueller. Außerdem hat der Fahrer auch noch vor Mason’s gewartet. Ich kann Dir sagen, dass war ein teurer Tag. Nach dem Aufenthalt in New York sind wir weiter nach Boston gefahren und eine Whale-Watching-Tour gebucht – die lange natürlich. Dies erhöht die Chance einen Wal zu sehen. 10 Wale habe ich vor die Leica bekommen. Es war richtig toll. Also, dann wünsche ich Dir nun einen schönen Tag und ich fand es klasse, dass wir uns über Deinen Urlaub unterhalten konnten. Ich habe aber jetzt keine Zeit mehr, die Pflicht ruft.“

Erkennen Sie sich wieder? A hatte das Bedürfnis etwas zu berichten, wurde aber von B aus dem Gespräch gedrängt. Wie fühlt sich A? Was glauben Sie?
Lassen Sie Ihren Gesprächspartner aussprechen, bleiben Sie beim Thema und unterbrechen Sie ihn nicht. Ein Smalltalk dient nicht dem Informationsaustausch. Geben Sie Ihrem Gegenüber das Gefühl, dass Sie Interesse an seinem Thema haben. Das ist nicht heuchlerisch, es vermittelt ein gutes Gefühl.

Stellen Sie Fragen

Das Gespräch über New York so, wie es hätte ablaufen können:

A: „Wir waren in New York im Hotel XY und haben eine Rundreise mit dem Bus gemacht“
B: „Das ist ja interessant. Wie lange hat die Rundreise denn gedauert?“
A: „Ungefähr 6 Stunden. Wir haben den Central Park gesehen und waren unter anderem auch auf der Aussichtsplattform des Empire State Buildings. Der Blick war unbeschreiblich“
B: „Stimmt. Ich war auch einmal dort und konnte die Freiheitsstatue aus einer unvergleichlichen Perspektive fotografieren. Hattet Ihr schönes Wetter?“
A: „Ja, es war wunderbar. Anschließend sind wir noch zu Mason’s gefahren und ein halbes Vermögen investiert.“
B:“Lach, dass kenne ich. Haben Deine Kinder auch die große Spielzeugabteilung gesehen?“
A:“Meine Kinder haben sich verlaufen, so riesig ist sie.“
B: „Seid Ihr direkt oder über Paris, Amsterdam oder London geflogen?“
A:“Naja, das Budget war begrenzt, daher hatten wir jeweils einen Zwischenstopp in Paris beim Hin- und Rückflug.“
B: „Es war wirklich interessant sich mit Dir zu unterhalten. Dankeschön. Wir können das Gespräch morgen gerne fortsetzten. Leider muss ich jetzt zu einem Termin“.

In diesem Beispiel stellt B nur offene oder geschlossene Fragen, berichtet jedoch fast nichts von seinen Trip. A kann vom Urlaub erzählen und fühlt sich, dank des Interesses von B, gut. B hinterlässt einen positiven Eindruck.

Lassen Sie die anderen sprechen

Zeigen Sie durch eine geschickte Fragestellung und Körpersprache Aufmerksamkeit, können Sie ein Gespräch stundenlang fortführen, ohne dass Sie etwas von sich preisgeben (müssen). Es ist wie in Hörbuch mit vielen neue nInformationen.

Durch aktives Zuhören vermitteln Sie ein positives Gefühl und lernen viel hinzu.

Und wann dürfen Sie etwas von sich erzählen? Gar nicht. Jeder will nur von seinem Leben berichten. So, wie es Ihnen geht, geht es allen Menschen. Mit diesem Wissen umgehen Sie holprige und stockende Gesprächsverläufe.

Lassen Sie die anderen (aus)sprechen, hören Sie zu, stellen Sie Fragen und zeigen Sie Interesse.

Bildnachweis: Petr Kovar @ freemimages.com

 

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2016-11-23T09:25:35+00:00 Kategorien: Allgemein, Coaching|0 Kommentare

Über den Autor:

Staatlich geprüfter Heilpraktiker, begrenzt auf das Gebiet der Psychotherapie, NLP-Practitioner (DVNLP), NLP-Master (DVNLP), bietet in seiner Hypnose-Praxis in München, die klassische Hypnose, Tiefenentspannung, Coaching und andere Therapieverfahren an. Themenbereiche der Hypnose sind z.B. Raucherentwöhnung mit Hypnose (Nichtraucher mit Hypnose), Gewichtsreduzierung, Behandlung von Ängsten, Behandlung psychosomatischer Krankheiten, Rückführung (Regressionstherapie), EMDR, EFT. (Hypnose in München)

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