Wie Schuldgefühle einen fertig machen können

Wie ein schmerzvolles Dunkel breiten sich Schuldgefühle aus. Unverhofft, oftmals ohne Anlass, sind sie da, kontrollieren die Stimmung, das Verhalten und Körperempfindungen. Kräfte werden mobilisiert, Strategien zur Bekämpfung der Gefühle entwickelt, doch aus einem unerfindlichen Grund sind die Emotionen immer stärker, schwächen sich nicht ab, sondern werden von einer unbekannten Energiequelle am Leben gehalten.

Fragen wie „Weshalb habe ich das gemacht?„, „Wieso habe ich mein Ziel nicht erreicht?„, „Warum habe ich versagt“ usw. malträtieren immerzu den gesunden Menschenverstand, wohlwissened, dass es keine Antworten gibt. Diese Gewissheit quält. Sie reduziert Lebensqualität und Lebensfreude, was in einer Depression münden kann.

Schuldgefühle gehören wohl zu den schmerzhaftesten Gefühlen. Sie belasten die Psyche und können sich in körperlichen Symptomen niederschlagen.

Unterschied bewusste und unbewusste Schuldgefühle

Bewusst können Schuldgefühle nach einer selbst herbeigeführte Situation aufkommen und zwar, wenn im Nachhinein das eigene Verhalten als unrichtig einstuft wird. Das daraus resultierende Gefühl ist eine seelische Reaktion auf eine Verletzung allgemein anerkannter Normen und Regeln, oder auch wegen eines Vergehens gegen die Integrität eines anderen Menschen.
Um Schuld überhaupt empfinden zu können, setzt dies die Fähigkeit voraus sich in die Lage eines anderen Menschen versetzen zu können (Empathie).
Der Sozialpsychologe Hans-Werner Bierhoff ordnet im „Handbuch der Allgemeinen Psychologie“ die Schuldgefühle „prosozialem“ Verhalten zu. Schuldgefühle würden „typischerweise dann ausgelöst, wenn Personen das Leiden Anderer als ihr eigenes Verschulden ansehen, und sei es auch nur, weil sie unbedacht und nachlässig gehandelt haben.

Im Gegensatz hierzu gibt es unbewusste Schuldgefühle, die nicht einer eigenen Handlung oder einer selbstbestimmten Entscheidung bedingen. So kann ein unbewusstes Schuldgefühl aufkommen, weil man beruflich erfolgreicher ist als der Vater oder die Mutter.

Unbewusste Schuldgefühle

Ich darf nicht glücklich sein

Menschen, die es sich nicht erlauben glücklich zu sein, haben die Sehnsucht Buse zu tun, um widerfahrenes Glück zu reduzieren. Alles was das Leben schwer macht, wird von ihnen als Möglichkeit der Sühne genutzt, um das Gefühl der Schuld zu reduzieren.
Wird das Schuldgefühl nur noch geschwächt wahrgenommen, steigert sich die Lebensfreude, es geht Betroffenen besser. Das hieraus resultierende Glücksgefühl kann wieder zu neuen Schuldgefühlen führen.

Ich bin schuld an der Trennung meiner Eltern

Immer mehr Ehen scheitern. Oft geht einer Scheidung ein langer, aufreibender Streit zwischen den Partnern voraus. Kinder können diesen Streitigkeiten entwicklungsbedingt nicht folgen, Gründe für die Trennung nicht nachvollziehen und geben sich letztendlich die Schuld an der Trennung der Eltern. Diese Schuldgefühl kann sich später im Leben zu einer Bindungsangst ausweiten.

Ich darf nicht erfolgreicher als meine Mutter / mein Vater sein

Eltern sind für Kinder bis zu einem gewissen Alter lebensnotwendig. Das elterliche Verhalten wird vom Kind nicht hinterfragt – Eltern haben für ein gewisses Zeitfenster den Status von Halbgöttern. Stehen die Kinder später im Berufsleben, kann das Schuldgefühl erfolgreicher als die Eltern zu sein, für die Karriere hemmend wirken.

Gesundheit wird als Schuld wahrgenommen

Erkrankt ein Familienmitglied an einer schweren Krankheit, kann ein Schuldgefühl in anderen Mitgliedern der Familie aufkommen. Durch eine Erkrankung erhält man automatisch mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung. Einmal die Erfahrung gemacht, kann, besonders bei Geschwistern, ein Kind versuchen durch Reduzierung der Lebensfreude die gefühlte Schuld zu kompensieren.

Schuld an Einschränkungen der Eltern

Kinder kosten Eltern bis zum Ende ihrer Ausbildung oder bis zum 25. Lebensjahr ungefähr 100.000 Euro. Konfrontieren Eltern ihre Kinder mit den Entbehrungen, die sie wegen des eigenen Nachwuchs auf sich nehmen mussten, kann dies Schuldgefühle in den Kindern erzeugen. Das Resultat kann ein Verzicht auf ein ersehntes aber kostspieliges Studium sein. Eltern sollten um diese Kosten wissen. Hat sich ein Mann und eine Frau entschieden ein Kind zu zeugen, braucht das Kind später kein schlechtes Gewissen zu haben. Die eigenen Kinder aufzuziehen und sie lange zu unterstützen gehört zu den essentiellen Aufgaben der Erziehung.

Schuld an der eigenen Vergewaltigung

Eine der schlimmsten Ohnmachtserfahrungen ist wohl eine Vergewaltigung. Eine Antwort auf „Warum ich?“ wird der oder die Täter meist nicht geben können oder wollen. Oftmals leugnen sie die Tat oder sprechen von einvernehmlichen Sex. Um ein wenig Kontrolle über Situation zu erlangen und eine Antwort auf die „Warum ich?„-Frage zu erhalten, geben sich die Opfer nicht selten selbst die Schuld am Verbrechen.

Schuldgefühle auflösen

Werden Schuldgefühle während  einer Therapie gelöst, können unglaubliche Gefühlswellen freigesetzt werden. Eine Therapie ist oftmals ein hochemotionaler Prozess. Eine innere Spannung kann sich während einer Sitzung auftun und schulderhaltend wirken. Nahm die Schuld einen Großteil des Lebens ein, dürfen Betroffene nach deren Aufarbeitung lernen, die entstandene Leere mit positiven Gefühlen wie Freude und Vertrauen zu füllen. Dies ist nicht immer leicht.

Durch eine Regressionstherapie, die über mehrere Sitzungen geht, kann es gelingen, die mit einer Situation verbundenen Emotionen abzuschwächen oder aufzulösen. Der Klient wird in Trance von einem erfahrenen Hypnotherapeuten in das auslösende Ereignis des Gefühls zurückgeführt, um die Situation emotional neu zu bewerten. Eine Retraumatisierung findet nicht statt, denn das Trauma war die ganze Zeit präsent.

Andere Methoden zum Auflösen von Schuld können Familienstellen oder EMDR sein.

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