Wenn Lehrer Schüler schlauer machen als sie sind

Wird ein Schüler von seinen Lehrern als überdurchschnittlich intelligent angesehen und bestätigt sich später diese Einschätzung, beschreibt dies den Pygmalion-Effekt. Durch das undbewusste Verhalten der Lehrkraft erfährt der Schüler mehr Aufmerksamkeit, mehr Zuwendung, Tadel und Lob, was unbewusst anspornt gute und sehr gute Zensuren zu erhalten.

Die Psychologen Robert Rosenthal und Lenore F. Jacobson führten zum Pygmalion-Effekt einige Experimente durch. Bei einem suggerierten sie Lehrern, dass eine Gruppe von Schülern besonders intelligent und begabt sei und ein hohes Leistungspotential hätte. Am Ende des Schuljahres hatten genau diese Schüler bessere Noten und der gemessene IQ lag über 20 Punkte über den Schülern aus der Kontrollgruppe. Dass Rosenthal und Jacobson gelogen und die Schüler nach dem Zufallsprinzip ausgewählt hatten, wußte niemand. Alleine der Glaube der Schüler und des Lehrpersonals sorgten für die guten Resultate. Die Schüler trauten sich mehr zu und die Lehrer förderten sie überdurchschnittlich. Der Versuch wird Pygmalion-Effekt oder Rosenthal-Effekt in der Fachliteratur genannt.

Wie kann man für sich den Pygmalion-Effekt nutzen?

Das Experiment zeigt, dass man zunächst einmal an seine eigenen Fähigkeiten glauben und es sich selbst erlauben sollte Themen anzupacken, denen man bisher aus dem Weg ging. Die innere Einstellung zu sich selbst ist dabei entscheidend. Es bedarf der wirklichen Überzeugung ein Problem oder eine Herausforderung im Berufsalltag oder im privaten Bereich lösen zu können. Eine Zielformulierung, die aus Konjunktiven und Weichmachern besteht, ist hierbei weniger hilfreich. Nimmt man hingegen die Herausforderung an, zeigt Engagement und gibt sein Bestes, steht einer Lösung in der Regel nichts im Wege.

Bei der Festlegung des Ziels ist jedoch darauf zu achten, dass das Ziel realistisch ist und auch erreicht werden kann. Nur weil Sie sich das Ziel gesetzt haben morgen der nächste amerikanische Präsident zu werden, engagiert und motiviert sind, werden Sie dieses Ziel nie erreichen, da Sie die Grundvoraussetzungen, wie eine dissoziale oder narzisstische Persönlichkeitsstörung, ebensowenig mitbringen, wie den Besitz der amerikanischen Staatsbürgerschaft und einiger Milliarden Dollar.

Stellen Sie sich eine Herausforderung, den Weg zum Ziel und das Ziel bildlich mehrfach täglich über einen längeren Zeitraum vor. Nutzen Sie hierzu all Ihre Sinneskanäle. Alleine die Vorstellung reicht aus, sich selbst neu zu programmieren, Lösungen aus dem Unterbewusstsein präsentiert zu bekommen und sein Handeln zielgerichtet einzusetzen.

Pygmalion-Effekt im Unternehmen

Scheuchen Sie Ihre Mitarbeiter von Aufgabe zu Aufgabe, von Termin zu Termin, kritisieren Sie sie permanent oder heben Sie besonders deren Fehler hervor, werden Ihre Angestellten wenig Motivation haben, sich mit eigenständigen Ideen in das Unternehmen einzubringen.

Glauben Sie hingegen an die Fähigkeiten Ihres Teams, ohne die Erwartungen zu hoch zu schrauben oder es unter Druck zu setzen, werden die vorher verschüchterten Mitarbeiter ihr wahres Potential entfalten. Unreflektierter Positivismus ist natürlich unangebracht – Potential kann jeder nur in seinem zur Verfügung stehenden Rahmen erfüllen. Stattdessen gilt es die besonderen Fähigkeiten eines Einzelnen oder einer Gruppe zu ergründen und anschließend zum Nutzen aller zu fördern.

Die Führungsebene eines Unternehmens entscheidet nicht nur auf Basis trockener Geschäftsberichte oder Prognosen über die Zukunft eines Unternehmens, vielmehr hängt der Erfolg davon ab, in welchem Licht Manager und Abteilungsleiter die Belegschaft sehen.

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Hat der Pygmalion-Effekt in Ihrem Unternehmen noch nicht Einzug gehalten, sind Ihre Mitarbeiter weniger motiviert als Sie erwarten, kontaktieren Sie mich.

Literatur zum Thema Pygmalion-Effekt

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