Hinfallen, Aufstehen, Weitermachen

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3 mm bis zum Tod

Heute möchte ich einen persönlichen Artikel veröffentlichen. Mein Leben hing vor ein paar Jahren an einem 3 mm dicken Nervenstrang. Wäre dieser durchtrennt worden, könnte ich diese Zeilen hier nicht mehr schreiben, da ich entweder querschnittgelähmt oder tot wäre. Ich hatte mir zwei Halswirbel gebrochen. Mein Morbus Bechterew hielt die Wirbel glücklicherweise zusammen.

Wach während einer Operation

Während der sechsstündigen OP, es wurden zwei Spondylodesen durchgeführt, eine am Rücken und eine am Hals, wachte ich auf und bekam alles mit, was um mich herum und mit mir geschah. Ich spürte wie das Klinikpersonal meinen Körper von der Bauchlage in die Rückenlage drehte und konnte Menschen mit ihren Kitteln und Mundschutz im OP-Raum sehen. Mein Kopf wurde in der Rückenlage mit Schrauben fixiert. Die Schrauben drückten fest gegen meinen Schädel, ein unangenehmer Druck. Es kam mir vor , als wäre ich in einem Schraubstock gefangen. Ein Skalpell wurde an meinen Hals angesetzt, um diesen mit einem Schnitt zu öffnen.

Ich meine, ich habe geschrien, um auf mich und meine Situation aufmerksam zu machen. Ob ein Ton meinen Mund verlassen hatte, weiß ich nicht. Irgendwer hat wohl erkannt das ich wach war, denn kurz darauf war ich wieder eingehüllt in die zeitlose Dunkelheit des Anästhetikums.

Delir und Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)

Der untere Teil meines Gesichts war nach der Operation mit getrocknetem Blut überdeckt. Bei Patienten, die an einem Morbus Bechterew erkrankt sind und deren Wirbelsäule versteift ist, werden der Intubationsschlauch und die Endoskopkamera durch die Naselöcher hinunter bis zur Luftröhre geschoben. Vorab wird die Naseraum mit Xylocain-Spray ein wenig betäubt. Natürlich wird die Schleimhaut im Nasenraum dabei beschädigt und das Blut tropft einfach aus der Nase heraus.

Durch die Narkose und durch das Erlebte fing ich schon im Aufwachraum an meine Lippen aufzubeißen – vermutlich befand ich in einer Art Delir. Die durch das Beißen entstanden Schmerzen halfen mir wohl zu erkennen, dass ich noch lebte. Auch wurde mir vermutlich in der Situation erst bewusst, wie der Unfall oder die OP hätten ausgehen können. Nämlich tödlich.

Nach 4 Tagen nach der OP wurde ich entlassen und zu Hause von meiner Frau monatelang gepflegt – Vielen Dank! Das Schmerzmittel Talvosilen, ein Medikament mit Codein, reduzierte die Schmerzen. Diese rührten von dem 30 cm langen Schnitt am Rücken der notwendig war, um zwei Metallstangen mit insgesamt 7 Schrauben an der Wirbelsäule zu fixieren (Spondylodese).

Medikamente und deren Nebenwirkungen

Doch nun stellten sich Bewusstseinsstörungen, Konzentrationsstörungen und kognitive Beschwerden ein. Es traten Erinnerungslücken auf – mir fehlen 6 Monate in meiner Biographie.
Bei TV-Serien, Filmen und oder Dokumentationen rund um die Themen Operationen oder Querschnittslähmung traten über einen Zeitraum von einem Jahr verstärkt Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) auf.

Nur wer hinfällt kann auch wieder aufstehen

In meinem Leben wurde ich schon sechsmal operiert. Eine Gelenktoilette in der Hüfte, zwei Hüft-Teps, Austausch einer künstlichen Hüftgelenkspfanne, zwei Spondylodesen in einer OP, eine OP wegen Varizenblutung. Das Rheuma wurde viel zu spät diagostiziert. Die Krankheit kam im Alter von 18 Jahren gleichzeittig mit Psoriasis auf. Diese Komorbidität ist nicht ungewöhnlich.

Kurzum: Hat man einmal dies und noch viel mehr erlebt, setzt man andere Prioritäten im Leben. Weg von „höher, schneller, weiter“ hin zu „Entspannung, Meditation und sich selbst“.

Ich kann jedem nur den Rat geben nicht aufzugeben, dass eigene Leben zu leben und das zu tun, was Freude bereitet! – Alles andere ist irrelevant.

P.S.: Vielleicht sollte ich über das Thema „Hinfallen, Aufstehen, Weitermachen“ eine Artikelreihe oder ein Buch schreiben? – Was meint Ihr?

Über den Autor:

Staatlich geprüfter Heilpraktiker (Psychotherapie) Mentaltrainier, Autor, Coach,NLP-Master (DVNLP)

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