Gibt es einen freien Willen?

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  • Realität und Wirklichkeit

Das Märchen vom eigenen Willen

Emotionen, individuelle Erfahrungen, Konditionierungen und der genetische Code sorgen dafür, dass und wie wir auf Eindrücke, also Reize, aus der Umwelt und unserer Gedanken reagieren. Das Unterbewusstsein ist dabei die tragende Säule der Entscheidungen. Meist reagiert der Mensch auf Einflüsse von außen, selten agiert er eigenständig. Macht man sich die Automatismen des eigenen Handelns bewusst, verlässt man die Ebene der Reaktion und begibt sich in die Position des bewussten Handelns.

Menschen sind angeblich der Lage Pro und Contra vor einer Entscheidung bewusst abwägen zu können, um sich anschließend für die beste Option zu entscheiden. Das Problem des angeblich bewussten Handelns oder Entscheidens sind aber die Emotionen, die uns auch in solchen Situationen leiten und lenken. Diese befinden sich, so glaubt man, im Unterbewusstsein. Ein freier Wille kann daher nicht wirklich existieren, sondern ist, wie vieles im Leben nur eine Illusion. Reduziert man die Definition des freien Willens jedoch auf das Aufgeben von Automatismen in der eigenen Realität, kann der freie Wille auf der bewussten Ebene tatsächlich vorhanden sein.
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Jeder Mensch ist das Produkt seiner eigenen Biographie, die leider nicht nur von uns selbst, sondern auch von anderen Menschen mitgestaltet und geschrieben wird. Besonders nahestehende Begleiter, wie Familienangehörige, Freunde und andere Bezugspersonen, beeinflussen die Historie jedes Menschen maßgeblich. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass auch diese Menschen die Beeinflussung nur aus ihrer eigenen Sicht, die wiederum auf der eigenen Lebenserfahrung und Prägungen beruht, durchführen und daher selbst über keinen eigenen und freien Willen verfügen können.

Ist der freie Wille also nur eine Illusion?

Die Frage kann nur jeder Mensch für sich unter der eigenen Definition des Adjektivs „frei“ beantworten.

Unsere Wahrnehmungen sind, wie in einem anderen Artikel bereits beschrieben (Was ist die Realität), nichts anderes als eine Vorstellung der Umgebung, von der wir nicht wissen, ob sie überhaupt existiert. Nur ein prozentual geringer Anteil an Eindrücken nehmen wir nämlich bewusst wahr und definieren diesen Bruchteil als Realität. Also eine Realität, die individuell ist und durch die eigene Fokussierung entsteht. Die Existenz der einzig wahren Wirklichkeit kann daher angezweifelt werden. Im Rahmen der eigenen Realität besteht jedoch grundsätzlich die Möglichkeit bewusst zu denken, besonders im Hinblick auf das eigene emotionale Erleben. Der freie Wille ist, wenn überhaupt, nur in der eigenen Realität möglich. Mit ihm kann man Emotionen kontrollieren, seine Gedanken in die richtige Richtung leiten und den Fokus des Lebens auf die wichtigen Aspekte lenken.

Geht man hingegen davon aus, dass Emotionen und Gedanken unkontrollierbar sind und man nur ein Opfer des Schicksals ist, verlässt man den Pfad des eigenen Handelns und Denkens, bevor man ihn überhaupt betreten hat.

Automatismen und geistige Degeneration

Alle Wahrnehmungen sorgen für den Ablauf intensiver oder weniger intensiver Reaktionen. Springt eine Ampel von Grün auf Gelb, tritt ein erfahrener Autofahrer unweigerlich auf die Bremse. Diese Reiz- Reaktionskopplung ist ein sinnvoller Automatismus. Reicht man einem anderen Menschen die Hand, wird dieser ohne Nachzudenken, mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Begrüßung das gleiche tun. Genau wie diese eingefahrenen Verhaltensweisen,  verhält sich der Mensch die meiste Zeit seines Lebens auch in anderen Situationen. Er denkt nicht nach, hinterfragt nicht, sondern reagiert. Konditionierungen begrenzen uns somit im Handeln und im Denken. Sie, die Konditionierungen, erlauben es nicht den in der Biographie festgelegten Käfig der Verhaltensmuster zu verlassen, um das eigene geistige Potential zu nutzen.

Der Käfig der Biographie reduziert Menschen meist zu maschinenähnlichen Wesen, die ohne eigenes Denken die Routinen des Alltags ohne Selbstreflexion über sich ergehen lassen. Der Rhythmus des eingeschliffenen und bekannten Handelns wird dann als die Selbstverständlichkeit des Lebens oder als Schicksal bezeichnet. Die Hingebung in das eigene Schicksal ist bequem, bedingt keine Veränderungen und dient als Entschuldigung eigener Unzulänglichkeiten. Für viele Menschen mag dieser monotone Lebensweg ohne Eigenverantwortung erstrebenswert sein, der durch den Erwerb unnötiger Konsumgüter oder das Erreichen einfacher und bequemer Ziele mit punktueller Glückseligkeit angeblich temporär unterbrochen wird, doch letztendlich kann er zur emotionalen Vereinsamung führen. Das eigene Schöpfungspotential wird dieser Weg nicht hervorbringen.

Wie kann man den eigenen Willen erschaffen?

Zunächst dürfen Sie sich mit der Tatsache anfreunden selbst der Schöpfer aller Gefühle, Gedanken und der eigenen Realität zu sein. Wenn Sie wollen, ersetzen Sie das Wort Schöpfer durch Architekt, Dirigent oder Regisseur, der sich im Rahmen der eigenen Wirklichkeit bewegen kann.

Erkennen Sie routinemäßig ablaufende Verhaltens- und Denkmuster in Ihrem Leben und hinterfragen Sie, ob es denn günstig oder sinnvoll ist auf eine Wahrnehmung, dies können Situationen oder Worte sein, so zu reagieren, wie Sie reagieren. Gibt es vielleicht auch noch eine bessere atypische Alternative? Verbessert sich eine Situation, nur weil Sie sich aufregen? Was verändert sich durch Ihre emotionale und unbewusste Reaktion? Benutzen Sie Ihren Verstand, statt sich einem negativen Gefühl hinzugeben und die Opferrolle einzunehmen. Und falls Sie das nicht können, wer entscheidet denn, ob Sie dies nicht können? – Nur Sie alleine, es sei denn Sie leiden unter einer akuten Psychose. Nutzen Sie die bewusste Wahrnehmung, einen inneren Abstand, um endlich freie Entscheidungen treffen zu können. Lösen Sie somit alte Denk- und Verhaltensmuster auf und begeben Sie sich damit auf einen entspannteren und vor allem gesünderen Weg.

Wie kann man Gedanken verändern?

Es gibt Menschen, die sich permanent und mit großer Ausdauer Unzulänglichkeiten suggerieren (ein freundliches Wort für „sich einreden“) und dabei vergessen oder vielleicht nicht wissen, wie intensiv sie damit die eigene Realität beeinflussen. Das Gehirn (Neuroplastizität des Gehirns) verknüpft Erfahrungen oder Erwartungen nach einiger Zeit mit den negativ vorgestellten und eingeredeten Gefühlen, ungeachtet deren Sinnhaftigkeit. Ist die Verknüpfungsdichte hoch genug, fängt das Gedankenkarussell, das Grübeln erst richtig an.

Eine Diskrepanz zwischen den vorgestellten und den möglicherweise situationsbedingten Emotionen entsteht und mündet in einer Erwartungsangst. Ängste erzeugen Stress mit den damit verbundenen körperlichen Symptomen. Dies geschieht selbst dann, wenn man sich nicht in der Situation befindet, sondern sie sich nur vorstellt. Durch die Vorstellung manifestieren sich somit die unangenehmen Gefühle weiter, was in einer Angst-Spirale enden kann aus der es keinen Ausweg ohne professionelle Hilfe gibt.

Gefühle sind nie extern, sondern bestehen nur in uns selbst. Niemand kann einem anderen ein Gefühl geben, sondern es nur auslösen. Basierend auf diesem Wissen, besteht die Möglichkeit zu hinterfragen, ob und inwieweit ein Gefühl in einer akuten oder vorgestellten Situation überhaupt angemessen ist. Erkennt man für sich die Sinnlosigkeit einer unattraktiven Emotion, kann man diese reduzieren oder auflösen.

Hypnose und Meditation

Durch Hypnose und Meditation kann man versuchen die negativen Verknüpfungen aufzulösen. In Trance ist das kritische Denken reduziert und negative Einflüsse, sowie deren Entstehung, können hinterfragt und abgelegt werden. Das Durchbrechen der Angst-Spirale in Trance bekämpft nicht die Angst an sich, sondern löst ihre Ursache in der Biographie eines Menschen auf und verändert somit seine Wahrnehmung und damit Realität.

Bildnachweis: geralt @pixabay.com

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Über den Autor:

Ulrich Eckardt

Staatlich geprüfter Heilpraktiker (Psychotherapie) Mentaltrainier, Autor, Coach,NLP-Master (DVNLP)

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